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Feintypografie/ Mikrotypografie (1): Abstaende

14.03.2010 08:56

Ich habe immer mal wieder im Web danach gesucht, aber nicht wirklich etwas Sinnvolles gefunden: Eine Übersicht über Feintypografie bzw. Mikrotypografie und Detailtypografie. Zunächst einmal für alle, die nicht wissen wovon ich hier rede: Feintypographie, Mikrotypografie und Detailtypographie sind ein und dasselbe. Es handelt sich hier um die Gestaltung von Feinheiten bzw. Details im Textsatz. Hierzu zählen die Schriftart, die Kapitälchen, die Ligaturen, die Laufweite, die Wortabstände, die Zeichenabstände und die korrekte Anwendung von Zeichen. Da ich keine vernünftige Übersicht hiervon gefunden habe, werde ich mich die nächsten Wochen selbst einmal mit der Hilfe von Printliteratur daran wagen eine solche Übersicht aufzustellen. Heute zunächst also Teil 1: Abstände.

Wenn wir meine Aufzählung von eben nehmen, beschäftigt sich dieser Artikel hier also mit Wortabständen und Zeichenabständen. Für die übrigen Themen muss ich euch leider noch vertrösten, kommt aber noch… Wichtig: Die hier gemachten Angaben sind nur Richtwerte, die je nach Font noch optisch angeglichen werden müssen. Zur Verdeutlichung arbeite ich hier in den Beispielen auch mit größeren Abständen als sie hier angegeben sind. Im Internet ist Mikrotypografie sowieso kaum möglich.

Schrägstriche
Bei Schrägstrichen, wo das vorangehende und folgende gleichwertig sind, wird mit einem Achtelgeviert getrennt.

Beispiel: deutsch / russisch

Telefonnummern und Faxnummern
Die Telefonnummer bzw. Faxnummer wird von rechts ausgehend in Zweiergruppen gegliedert. Der Abstand zwischen den einzelnen Ziffergruppen beträgt ein Achtelgeviert. Die Ortskennzahl steht dabei in Klammern oder wird durch einen Schrägstrich getrennt.

Beispiel: 0 40 / 76 23 45

Bei Telefonnummern oder Faxnummern, wo man zwischen den einzelnen Ziffern einen sinnvollen Zusammenhang erkennt, kann man auch in Ausnahmefällen in Dreiergruppen trennen.

Beispiel: +49 30 / 666 123

Postfächer

Postfachnummern werden von rechts ausgehend in Zweiergruppen gegliedert. Auch hier wird mit einem Achtelgeviert-Leerzeichen getrennt.

Beispiel: PF: 56 34

Jahreszahlen

Jahreszahlen werden nicht gegliedert.

Beispiel: 1998

Postleitzahlen

PLZ werden ebenfalls nicht gegliedert.

Beispiel: 22769 Hamburg

Bei Halbgeviertstrichen

Wenn der Halbgeviertstrich als Ersatz für “bis” wird vor und nach dem Halbgeviertstrich ein Abstand von einem Achtelgeviert verwendet.

Beispiel: 22. März – 11. April

Allerdings: Wird der Halbgeviertstrich als Gedankenstrich im Satz verwendet, wird ein ganzes Leerzeichen verwendet.

Bankkonten und Bankleitzahlen

Bankkonten werden von recht ausgehend dreistellig abgetrennt. Es wird wieder ein Achtelgeviert als Abstand verwendet.

Beispiel: 93 643 234

Bankleitzahlen werden von links ausgehend dreistellig abgetrennt. Auch hier nimt man ein Achtelgeviert als Abstand.

Beispiel: 567 323 12

Dezimalzahlen

Dezimalzahlen dürfen bei mehr als 4 Ziffern von rechts ausgehend dreistellig durch ein Achtelgeviert oder einen Punkt (in Deutschland) bzw. ein Komma (in Großbritannien und den USA) getrennt werden.

Beispiel: 10 323 oder 10.323

Abkürzungen

Bei Abkürungen in Verbindung mit Zahlen ist der Abstand zwischen der Zahl und der Abkürzung ein nicht-trennendes Leerzeichen.

Beispiel: 23 cm

Abkürzungen wie a.D. (außer Dienst), d.h. (das heißt), i.allg. (im allgemeinen), i.e.S. (im engeren Sinne), u.a. (unter anderem), u.a.m. (und anderes mehr), u.ä. (und ähnliches), u.v.a.m. (und vieles andere mehr), u.v.m. (und vieles mehr), u.dgl.m. (und dergleichen mehr), ü.d.M. (über dem Meeresspiegel), v., g., u. (vorgelesen, genehmigt und unterschrieben), s.a. (siehe auch), z.T. (zum Teil), z.B. (zum Beispiel) usw. wird mit einem Achtelgeviert getrennt. (usw. wird im übrigen ohne Zwischenraum geschrieben)

Beispiel: a. D., d. h., i. allg., i. e. S., u. a., u. a. m., u. ä., u. v. a. m., u. v. m., u. dgl. m., ü. d. M., v., g., u., s. a., z. T., z. B.

Nach Abkürzungen wie Abb. (Abbildung), Anm. (Anmerkung), Bd. (Band), Bde. (Bände), Nr. (Nummer), S. (Seite), vgl. (vergleiche) folgt ein geschütztes Leerzeichen.

Ableitungen
Bei Ableitungen wie 10teilig oder 19te wird die Zahl ohne Abstand zum nachfolgenden Wort gesetzt. Nach neuer deutscher Rechtschreibung ist hier auch ein Bindestrich möglich.

Beispiel: 10maliger Turniersieger oder 10-maliger Turniersieger

Datumsangaben
Bei Datumsangaben wird ebenfalls das Achtelgeviert-Leerzeichen als Abstand benutzt.

Beispiele: 12. 6. 2001 oder 12. Juni 2001

Im internationalen Schriftverkehr gibt es eine ISO-Norm für Datumsangaben (ISO R2014-1971). Sie hat folgenden Aufbau:

Jahr–Monat–Tag–Stunde–Minute

(jeweils ohne Abstand zwischen den Halbgeviertstrichen.

Mathematische Zeichen
Mathematische Gleichungen und Zahlen werden jeweils mit einem nicht-trennbaren Leerzeichen getrennt.

Beispiel: 1 + 5 =6

ISO-Nummern und DIN-Nummern
Hinter DIN und ISO folgt jeweils ein geschütztes Leerzeichen. Bei mehr als 4 Ziffern kann in Dreierblöcken von rechts mit einem Achtelgeviert getrennt werden.

Beispiel: DIN 12 232 oder ISO 912 312

Paragraphen
Auf das Paragraphenzeichen folgt immer ein geschütztes Leerzeichen.

Beispiel: § 172 BGB

Gradzeichen
Bei Längengraden und Breitengraden folgt trennt ein geschütztes Leerzeichen das Gradzeichen von der Himmelsrichtung.

Beispiel: 12° Ost

Bei Temperaturgraden hingegen trennt das geschützte Leerzeichen Zahl von Gradzeichen.

Beispiele: 12 °C, 72 °F

Bei Richtungsangaben mit Grad und Minuten gibt es keinen Abstand zwischen Zahl und Gradzeichen.

Beispiel: 91°12’20″ Nord

Prozente
Prozente werden durch ein Achtelgeviert von der Zahl getrennt.

Beispiel: 19 % MwSt.

Wie setze ich einen Achtelgeviert-Abstand ein?
Ich möchte mich an dieser Stelle auf den Einsatz eines Achtelgeviert-Abstandes in InDesign beschränken. Dort findet man den Abstand unter Schrift > Leerzeichen einfügen > Achtelgeviert oder über das Tastenkürzel Apfel + Alt + Shift + M.

geschrieben von Malte Pyko unter Design & Typografie
Tags: Achtelgeviert, Design, Detailtypografie, Feintypografie, Fonts, Geviert, Halbgeviert, Hamburg, Mikrotypografie, Schriften, Typografie

 

 

3 Kommentare

 

    Petra Sinuraya

    Kommentar vom 19.04.2010 um 09:37

    Sehr geehrter Herr Pyko,

    als Dipl.-Ing.(FH) Kartographie bin ich nicht wirklich vom Fach, aber für den Satz unserer internen Schriftenreihe zuständig. Genau wie Sie habe ich mir mit Hilfe von Beispielen aus der Printliteratur (der Duden gibt dazu auch eine Reihe von Hinweisen, benennt das zu verwendende Leerzeichnen aber leider nie konkret) herausgesucht wie mit Abständen zu verfahren ist.
    Ich bin überglücklich auf Ihre Seite gestoßen zu sein und dort endlich eine brauchbare Zusammenstellung gefunden zu haben. Vielen Dank dafür. Viele Grüße Petra Sinuraya

     

     

    Hans Raabe

    Kommentar vom 10.08.2010 um 18:39

    Interessante Übersicht, hatten wir im Medieninformatik Studium leidern noch gar nicht so ausführlich. Ich weiß nicht ob das im Semester 4 oder höher noch folgt. Wir mussten bisher irgendwie nur Geschichtskram lernen. Du hättest das hier vielleicht noch etwas visuell darstellen können. Viele Grüße.

     

     

    Mike

    Kommentar vom 04.12.2010 um 23:52

    hey, interessant mal zu lesen. werde das die nächsten tage mal (der ordnung halber) auf meinen seiten umstellen! danke!

     

     

 

 

 

 

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